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Silber erfährt Neubewertung

08.01.2026

Gold glänzte im letzten Jahr. Silber überstrahlte strahlte alles, allerdings mit dem nervösen Flackern eines Metalls, das man jahrzehntelang ignoriert, verspottet und manipuliert hat. 2026 ging es nahtlos weiter, nur dass die Schwankungen beim weißen Metall inzwischen eher an Herzrhythmusstörungen erinnern. Warum? Weil der Silbermarkt im Defizit bleibt, China Exporte einschränkt und Gold mit knapp 4.000 Euro je Unze inzwischen den Charakter eines Luxusartikels angenommen hat. Also greift man notgedrungen zu Silber – nicht nur hierzulande, sondern auch in China und Indien. Zwei Milliarden Menschen, die Papiergeld traditionell ungefähr so viel Vertrauen entgegenbringen wie einem nassen Papiertaschentuch.

Wer genau hinschaut, entdeckt inzwischen etwas Verstörendes: Es gibt mehrere Silberpreise. Den Spotpreis zum Beispiel. Das ist jener Preis, den der Papiermarkt liebt, pflegt und beschützt. Er ist die Grundlage der gesamten Zettelwirtschaft. Nur hat er einen kleinen Schönheitsfehler: Für diesen Preis bekommt man kein echtes Silber. Nicht eine Unze. Nirgendwo auf der Welt. Stattdessen zahlt man Aufgelder – und zwar überall. Der physische Markt hat sich leise, aber bestimmt vom Papiermarkt verabschiedet. Das war lange angekündigt. Jetzt ist es passiert.

Ein Blick auf die Webseiten der Münzhändler genügt. Verkauft wird deutlich über Spot. Angekäufe erfolgen teilweise ebenfalls über Spot. Das lässt vermuten, dass die Münzpressen dieser Welt gerade eher meditieren als produzieren. Lieferzeiten verlängern sich, der Markt wird enger, Altware wertvoller. Besonders pikant: Trotz Mehrwertsteuer werden Münzen und Barren teurer angekauft, wo sie früher weit unter Spot lagen. Das war einmal. Heute werden keine Fußnoten mehr geschrieben, sondern Ausrufezeichen.

Verglichen mit dem Goldmarkt – rund 33 Billionen US-Dollar schwer – ist Silber weiterhin ein Markt für Bonsai-Gärtner. Gold wird gehortet, gestreichelt und weitervererbt. Silber hingegen wird verbaut, verbraucht und verschwindet. Für lange Zeit. Sicher, Recycling lohnt sich heute mehr als früher. Aber der Markt bleibt winzig. Schätzungen sprechen von drei bis vier Milliarden Unzen oberirdischen Silbers. Nicht viel, wenn man bedenkt, wie viel davon inzwischen in Solarzellen, Elektronik und Industriegeräten steckt. Die steigenden Preise werden etwas Material zurück in Umlauf bringen. Aber die Nachfrage ist schneller gewachsen als jedes Angebot. Und wer Silber besitzt, weiß warum: Es ist edel, knapp und nicht vermehrbar. Eigenschaften, die man von Papiergeld nicht mehr behaupten kann – es sei denn, man meint dessen Menge.

Was bringt 2026? Sehr viel – zumindest an Prognosen. Die Experten, von denen kaum einer die heutigen Preise auch nur im Ansatz vorhergesehen hat, überschlagen sich nun mit Kurszielen. Warum man ihnen jetzt glauben sollte, ist unklar. Sie lagen falsch, als es wichtig war, und sind jetzt plötzlich mutig. Alternativ könnten sie Dartpfeile werfen. Das hätte immerhin den Vorteil, dass niemand so tut, als sei das Wissenschaft.

Sollte man Silber jetzt kaufen? Es gab bessere Gelegenheiten. Das heißt allerdings nicht, dass es keine neuen geben wird. Die kommen meist dann, wenn ein überhitzter Markt wieder etwas abkühlt. Von welchem Niveau aus Silber korrigiert, weiß niemand. Korrekturen wird es geben – das ist sicher. Silber hat es wieder in die Schlagzeilen geschafft. Historisch betrachtet kein gutes Zeichen für den kurzfristigen Trend. Aber wir leben auch nicht in historischen Zeiten. Wir leben in einer Zeitenwende voller Unordnung, Schulden, Geldvermehrung und politischer Beruhigungsrhetorik. Und genau für solche Zeiten wurde Silber einst gekauft.

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