Gold glänzt – Schlagzeilen schweigen
11.06.2025Der Goldpreis hat’s getan. Still, heimlich und entgegen aller Expertenorakel hat sich das gelbe Metall auf Rekordniveau festgebissen – wie ein Dackel am Hosenbein der Inflation. Plus 15 Prozent, und das sogar in Euro. Während der US-Aktienmarkt mit seinen Tech-Giganten wie ein übertrainierter Hamster im Rad sprintet, bleibt Gold einfach stehen – und glänzt. Ohne CEO, ohne Pressekonferenz, ohne KI.
Und Silber? Hat nach endlosen Jahren endlich das Niveau von 34,50 Euro geknackt. Eine Sensation? Durchaus. Eine Schlagzeile wert? Offenbar nicht. Die Medien haben gerade Wichtigeres zu tun: Geopolitik, Zölle, Trump-Sprüche, Krieg da, Krieg dort – und natürlich die ewige Empörung über irgendetwas. Edelmetalle? Zu leise. Zu unaufgeregt. Keine Twitter-Accounts.
Dabei wäre jetzt genau der Moment, sich eine Frage zu stellen, die im deutschen Alltag ungefähr so beliebt ist wie Steuererhöhungen: Sollte man nicht endlich Edelmetalle kaufen? Oder anders gefragt: Sollte man wirklich noch am Bargeld festhalten? Und wenn ja: wie lange noch?
Denn mal ehrlich – das Bargeld stirbt. Nicht laut. Nicht dramatisch. Sondern langsam, leise, effizient. Wie ein schleichender Gedächtnisverlust: Heute gibt’s für den Zehner keine Pizza mehr. Morgen keine Semmel. Und übermorgen nur noch ein bedrucktes Stück Papier mit nostalgischem Sammlerwert.
Trotzdem bunkern wir Deutschen rund 400 Milliarden Euro unter Matratzen, in Kaffeedosen und Bankschließfächern. Warum? Weil „ein Euro ein Euro“ ist. Sagen wir. Glauben wir. Irren wir. In Wahrheit ist der Euro eine höflich formulierte Bitte an die Europäische Zentralbank, den Wert nicht völlig absaufen zu lassen. Eine Art Liebesbrief auf einem benutzten Taschentuch.
Gold hingegen ist ehrlich. Kein Zins, kein Tweet, keine „digitale Innovation“. Wer Gold kauft, sagt mit stiller Verachtung: „Lasst mich mit eurem Fiat-Geschwurbel in Ruhe. Ich will was Echtes.“ Es ist das Metall der Unversöhnlichen. Der Pessimisten mit Stil. Es zahlt keine Dividende – aber auch keine Dummheit.
Silber hingegen ist der heimliche Star. Während Gold sich auf dem Olymp ausruht, ackert Silber im Schatten. Der Preis ist gestiegen, der Widerstand gebrochen – und kaum einer merkt’s. Der Markt ist im fünften Jahr in Folge im Defizit. 700 Millionen Unzen wurden mehr nachgefragt als angeboten. Und was wurde geliefert? Nichts Neues. Nur alte Bestände. Recycling. Silberbesteck aus dem Nachlass von Tante Erna und Leute, die derzeit Kasse machen, so nahe am Allzeithoch in Euro.
Wie viel Silber gibt’s eigentlich noch? Keiner weiß es so genau. Die Schätzungen schwanken wilder als ein Bundeshaushalt: Von 1,6 bis 1,7 Millionen Tonnen oberirdisch – inklusive Schmuck, Industrie, Münzen, Barren und vermutlich ein paar vergessener Medaillen aus den 70ern. Wirklich verfügbar? Vielleicht 79.000 Tonnen. Vielleicht 200.000. Je nachdem, ob man dem „World Silver Survey“ glaubt oder lieber dem Bauchgefühl eines Lagerverwalters in Nevada.
Fakt ist: Silber ist knapp. Und das in einem Zeitalter, das ohne Silber gar nicht funktionieren würde – Solarzellen, Elektronik, Medizintechnik, Chips, all der glänzende Kram, den wir zum Überleben brauchen, während wir gleichzeitig versuchen, das Klima zu retten, die Industrie zu digitalisieren und die Welt mit 5G zu versorgen.
Wer jetzt denkt: „Ach, da geht noch was“ – der hat recht. Aber bitte nicht wieder sagen: „Das hätte mir mal jemand früher sagen sollen.“ Haben wir. Gerade eben. Lesen hilft.