Frank Meyer Blog

Small Talk am Stammtisch

10.03.2017

Der schwache Euro und die Inflation haben inzwischen hierzulande auch die Stammtische erreicht. Selbst im Radio hört man, dass die Inflation zurück sei. Oha! War sie denn jemals weg? Nun, die einen sparen weniger, weil es keine Zinsen mehr gibt. Die anderen geben das Geld lieber aus. Zwischendurch erzählen die Experten, man muss unbedingt Aktien kaufen, jetzt wo sie so schön teuer geworden sind. Wenn ich aber in die Runde sage, man sollte etwas Gold und Silber haben, werde ich meist komisch angeschaut. Das sind gute Nachrichten, denn ich wäre skeptisch, wenn man mir zustimmen würde. So etwas erlebt man doch immer erst am Ende eines Trends.

Inzwischen haben wir März. Dieser Monat wird seinem statistisch schlechten Ruf mehr als gerecht, denn Gold kam unter Druck. Normalerweise verliert es im März 0,6 Prozent. Bislang mehr als das. Ist das wichtig zu wissen? Vielleicht für den Small Talk. Trotzt aller Statistik weiß niemand, was Gold demnächst machen wird. Wird es teurer, wertet das Baumwollgeld gegenüber ihm ab. Fällt Gold, wertet das Geld auf. Aber warum sollte es das dauerhaft tun? Die Weichwährungspolitik der EZB hat jetzt schon bedenkliche Maße angenommen. Darüber gibt der Goldpreis in Euro Auskunft, auch wenn es in den letzten Tagen ein paar Euro abwärts ging.

Statistik ist schon eine seltsame Sache, wahrscheinlich eine Verwandte der Mathematik, wobei die eine unbestechlich und die andere leicht zu biegen ist. So erfahren wir nun, dass die Teuerung in Euroland im Februar um zwei Prozent zugenommen hat und hierzulande um 2,2 Prozent. Die wirklichen Zahlen kennen wir nicht, spüren sie aber.

Da man auf dem Konto nichts mehr bekommt, entwertet sich das Geld um mindestens diesen Prozentsatz. Inzwischen werden auch Stimmen laut, die von der EZB ein Ende der ultralockeren Geldpolitik fordern. Die EZB wäre aber nicht die EZB, wenn sie die Sache mit der Teuerung für sich auszulegen wüsste – je nach Bedarf. Zwei Prozent müssen ja nicht zwei Prozent sein. Was halten Sie davon? Künftig will die EZB erst dann eingreifen, wenn die Teuerung sich in allen Staaten angleicht - und das nachhaltig und nicht nur vorübergehend. Das kann dauern. Vielleicht haben wir hierzulande vier und im Süden ein Prozent Teuerung. Mittelfristig soll die Inflationsrate auch weiterhin bei zwei Prozent liegen. Und jetzt lachen Sie kurz auf, die Teuerung muss selbsttragend sein und nicht das Ergebnis der ultralockeren Geldpolitik. Pipi Langstrumpf könnte es sich nicht besser ausdenken. Verlassen Sie sich nur darauf, dass Schäfer Schafe hüten, aber Währungshüter niemals die Währung. Das müssen Sie schon selbst tun.

Sollten Sie noch etwas Futter für den Small Talk benötigen, dann werfen Sie doch mal ein, dass in rund 18 Jahren alles Gold der Welt aus dem Boden geholt sein wird. Wie das? Laut einer jährlichen Studie des U.S. Geological Survey liegen noch rund 57.000 Tonnen Gold im Boden. Bei einer konstant gleichen Förderung von 3.100 Tonnen wie in den letzten beiden Jahren, wäre sämtliches Gold 2035 abgebaut. Theoretisch, denn man wird mit Sicherheit weiteres Gold finden, auch wenn die Erde schon gründlich nach dem gelben Metall durchwühlt worden ist. Dabei liegen wirklich große Goldfunde von über einer Million Unzen schon länger zurück. Ausbuddeln wird immer mühsamer und teurer und ist nur bei entsprechend hohen Goldpreisen möglich, wo Unternehmen profitabel arbeiten können. Stellen wir uns vor, Gold würde sich im Preis halbieren. Dann wäre sofort Ende Gelände mit der Goldförderung. Was uns die Zahlen sagen ist nicht mehr und nicht weniger, dass die künftige Goldförderung höhere Preise erfordert und sich die Goldförderung nach anderen Studien in diesen Jahren auf dem Zenit befinden könnte. Zumindest ist eines sicher. Man kann schneller Geld aus dem Nichts drucken als Gold aus dem Boden holen. Die EZB macht es vor. Und die Preise wird es freuen.

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